
PATIENTENINFORMATION
Wenn Augen trotz Tränen trocken bleiben
Brennen, Rötung, ein Gefühl wie Sand im Auge – und trotzdem tränende Augen? Das Trockene Auge ist eines der häufigsten Anliegen in der Augenheilkunde. In den meisten Fällen steckt eine Funktionsstörung der Meibomdrüsen dahinter. Diese Seite erklärt, was das bedeutet, woher es kommen kann und welche Behandlungswege es gibt.
GRUNDLAGEN
Der Tränenfilm: ein empfindliches Dreischicht-System
Die äußere Lipidschicht wird von den Meibomdrüsen im Lidrand gebildet. Sie legt sich wie ein hauchdünner Ölfilm über die wässrige Schicht und verhindert, dass die Tränenflüssigkeit zu schnell verdunstet. Fachleute sprechen daher auch von einer Störung der Augenoberfläche, bei der meist weniger die Menge der Tränenflüssigkeit als vielmehr ihre Qualität und Verdunstungsrate das eigentliche Problem sind. Die wässrige Mittelschicht versorgt die Augenoberfläche mit Feuchtigkeit und Nährstoffen, die Muzinschicht direkt auf der Hornhaut sorgt dafür, dass die Tränenflüssigkeit gleichmäßig haften bleibt statt abzuperlen. Fehlt auch nur eine Komponente – am häufigsten die Lipidschicht – gerät das System aus der Balance. Die Tränenflüssigkeit verdunstet dann schneller, als sie nachgebildet werden kann. Fachleute sprechen vom hyperevaporativen Trockenen Auge. Es macht schätzungsweise den größten Teil aller Fälle von Trockenem Auge aus. Neuere Forschung zeigt zudem, dass Entzündungsprozesse und eine gestörte Nervenfunktion der Hornhaut das Beschwerdebild zusätzlich verstärken können – das Trockene Auge ist damit mehr als nur ein rein mechanisches Problem.
Die Meibomdrüsen und ihre Dysfunktion (MDD)
In jedem Augenlid liegen dicht nebeneinander winzige Talgdrüsen, die Meibomdrüsen. Ihre Aufgabe: die schützende Ölschicht des Tränenfilms produzieren. Bei der Meibomdrüsen-Dysfunktion – kurz MDD – verändert sich dieses Sekret, verdickt und die Ausführungsgänge können verstopfen. Die Folge ist ein doppeltes Problem: Zum einen fehlt der Lipidschicht das nötige Öl, zum anderen kann das eingedickte Sekret die Lidränder reizen und eine Lidrandentzündung (Blepharitis) begünstigen. Beides zusammen erklärt, warum MDD so oft mit anhaltenden, wiederkehrenden Beschwerden einhergeht – auch wenn das Auge selbst gar nicht „zu wenig" Tränenflüssigkeit produziert. Bleibt eine Drüse dauerhaft verstopft, kann sich zudem ein Hagel- oder Gerstenkorn bilden; wiederkehrende Hagelkörner sind daher oft ein Hinweis auf eine unbehandelte MDD
Typische Symptome
+ Brennen, Jucken oder ein Gefühl wie „Sand im Auge" + Rötung und geschwollene Lidränder + Morgens verklebte, verkrustete Wimpern + Schwankendes, kurzzeitig unscharfes Sehen + Erhöhte Lichtempfindlichkeit + Paradoxerweise auch vermehrtes Tränen (Reflextränen)
Wie die Diagnose
gestellt wird
Neben dem Gespräch über Beschwerden und Vorerkrankungen gehört die Untersuchung des Lidrands an der Spaltlampe sowie eine Oberflächenfärbung des Auges zur Basisdiagnostik. Häufig kommt zusätzlich ein berührungsloses Analysegerät zum Einsatz, das in wenigen Minuten mehrere Werte gleichzeitig erfasst – etwa die Tränenfilmstabilität (NI-BUT), die Tränenmenge, die Fettschicht sowie hochauflösende Aufnahmen der Meibomdrüsen. Je nach Befund folgen weiterführende Untersuchungen wie der Schirmertest, die Messung der Tränenfilm-Osmolarität, die Meibomdrüsenexpression oder eine Infrarot-Meibographie – eine bildgebende Darstellung der Drüsenstruktur. Ergänzend kann ein standardisierter Fragebogen (z. B. der OSDI-Fragebogen) helfen, den Schweregrad der Beschwerden einzuschätzen. Anhand eines Stufenschemas lässt sich der Schweregrad einordnen und die passende Behandlung ableiten.
Behandlung: stufenweise zu mehr Komfort
MDD lässt sich in den meisten Fällen gut behandeln. Ziel ist dabei laut Leitlinie von BVA und DOG vor allem, die Beschwerden zu lindern, die Augenoberfläche intakt zu halten, beeinflussbare Risikofaktoren zu verringern und eine zugrundeliegende Entzündung zu reduzieren. Häufig wird dafür ein stufenweises Vorgehen gewählt, das zuhause beginnt und je nach Befund um Verfahren in der Praxis ergänzt wird
Lassen Sie Ihre Beschwerden abklären
Nur eine augenärztliche Untersuchung zeigt, welche Form des Trockenen Auges bei Ihnen vorliegt – und welcher Behandlungsweg am besten passt.
Diese Seite dient der allgemeinen Aufklärung und ersetzt keine individuelle augenärztliche Untersuchung und Beratung.
► Fachliche Quellen zu dieser Seite Leitlinie Nr. 11 „Trockenes Auge" von BVA und DOG, Stand 08.03.2019 IPL.expert – Das Trockene Auge & MDD Ocular Surface Center Berlin – Meibomdrüsen & Blepharitis sicca-diagnose.de – Diagnostik des trockenen Auges LMU Klinikum – Augenklinik, Trockenes Auge